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Recap Deutscher Online-Handelskongress e-Tailx 2012

Für den etablierten Handel scheint der E-commerce momentan so etwas wie ein Nischenmarkt zu sein, den er neugierig und mit gesunder Skepsis beäugt.

Wir haben die sogenannte Old-Economy auf dem Online Handelskongress | etailx am 8.5/9.5.2012 in Frankfurter Marriott Hotel als recht aufgeschlossen erlebt und waren überrascht, dass auch die großen Unternehmen wie Plus offen über Innovationen, Learnings und Chancen gesprochen haben.

Die großen Player haben von Apps über Facebook Shops, QR Codes und Mobile Commerce wohl schon viel ausprobiert und so mancher holte sich dabei eine blutige Nase. Facebook Shops wurden schnell wieder geschlossen und es wurde bemerkt, dass Facebook Commerce kein Social Commerce ist. Social Commerce wie auf den Plattformen edelight oder smatch bei denen vorwiegend Frauen (ca. 70% der Nutzer) anderen Dinge empfehlen, die man über die Plattform dann auch gleich kaufen kann, scheinen hingegen gut zu funktionieren.

In der Schweiz scheint Migros einiges richtig gemacht zu haben. Migros zwängt den Kunden nicht in einen Marketing Kanal. Bei melectronics kann der Kunde online bestellen und offline abholen. Er bekommt eine SMS mit der Nachricht, dass die Ware nun verfügbar ist. Frau Hoffmann ließ aber nicht unerwähnt, dass es eine Herausforderung darstellt diese Wahlfreiheit, mit einem System wie SAP, was lediglich einmal täglich aktualisiert wird, zu managen. Melectronics hat verstanden, dass die Daten über die sie sowieso verfügen, ein Schatz sind, den es zu bergen gilt. Online zahlt der Kunde übrigens denselben Preis wie im Ladengeschäft. Daran könnten sich so manche Multi-Channel Anbieter ein Beispiel nehmen.

Meidine Oltmanns von Hawesko (u.a. Jaques Weindepot) berichtet, dass sie gerne auch Online Kundenmeinungen in die Print Werbung übernehmen und so ihre Offline Werbung mit Kundenmeinungen unterfüttern – Testimonials for free sozusagen. Damit liegt sie unserer Meinung nach richtig und unterstreicht einmal mehr, dass die Möglichkeiten des Multi Channels durchaus Spaß machen, wenn man mit ihnen kreativ umzugehen weiß.

Sollte es endlich dazu kommen, dass die Deutschen wie die Briten oder Schweizer ihre Lebensmittel online bestellen, dann bestimmt über allyouneed.com oder wer seine Lebensmittel lieber offline abholt, dann bei Emmas Enkel. Die Kampfansage des Brands for Friends Gründers Christian Heitmeyer, den Lebensmittel Online Handel zu revolutionieren, sollte jetzt jeder, der die Szene beobachtet, mitbekommen haben.  Die aufgeworfene Frage warum man für die Lieferung von Lebensmitteln extra zahlen soll, wenn jeder Pizzadienst die Lieferung ab 8 € frei Haus hinbekommt, ist sicherlich berechtigt

Beeindruckt haben uns außerdem die Ideen von Columbia, Globetrotter und Plus.de: Die Versandboxen von Columbia werden wieder verwendet und ihr zurückgelegter Weg kann via QR-Code nachverfolgt werden, so hat jede Box eine individuelle Geschichte. Globetrotter und das neue interaktive Konzept 4-seasons.de haben den e-Star im Bereich Retail zu Recht erhalten und beweisen, dass auch die großen Player zu Innovation fähig sind. Sebastian Siebers von Plus.de erwähnte einmal mehr, dass es Alternativen zum Last-Cookie-Counts-Prinzip geben muss und dass der Customer Lifetime Value der Schlüsselindikator zum Erfolg ist: Einem Kunden, der teuer über verschiedene “touch points”  eingekauft wurde und dann nur über Rabattmarken kauft, sollte ein geringerer monetärer Wert zugewiesen werden als einem der hohe Warenkörbe erzielt und Wiedereinkäufe tätigt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mischung der behandelten Themen, die Organisation, die Inhalte der Redner und auch das Networking von hoher Qualität waren und wir im nächsten Jahr gern wieder vorbei schauen.

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